Artenschutz: Fledermausschutz
Rainer Marcek Höhlengruppe Nord
Seit jeher haben Fledermäuse die Menschen fasziniert.Sie sind die
einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Gleichzeitig hat ihre nächtliche
Lebensweise dazu beigetragen, dass sie immer wieder mit dem Unheimlichen und
Mystischen in Verbindung gebracht wurden.
Während Fledermäuse früher weit verbreitet und nachts häufig zu sehen waren, sind heute
alle heimischen Fledermäuse durch die Vernichtung ihrer Lebensräume in ihrem Bestand
bedroht.
Artverwandte der Fledermäuse sind nicht die Mäuse sondern bei uns die Igel.
Weltweit leben etwa 950 Arten, bei uns in Deutschland sind 23 Arten heimisch.
Fledermäuse lebten schon zu den Zeiten der Saurier, vor etwa bisher belegt
60 Millionen Jahren. Funde aus der Gruppe Messel bei Darmstadt sind ein Beleg
für das Alter der Fledermäuse.
Lebensweise und Lebensraum der Fledermäuse
Winterruhe bis Ende AprilFoto: W. Kunzmann |
Nach verlassen der Winterquartiere suchen die Fledermäuse im Frühjahr ihre
Sommerquartiere auf. Diese können Dachböden, hohle Bäume oder auch Nistkästen sein.
Die Weibchen bevorzugen im Frühsommer besonders warme Quartiere.
In diesen sogenannten Wochenstuben bringen sie in mehr oder weniger großen Gruppen
ihre Jungen zur Welt.
Ein Weibchen entbindet (je nach Art unterschiedlich) in der Regel ein Junges.
Von nun an wird es 8 Wochen lang an den Zitzen der Muttertiere gesäugt.
Ganz in der Nähe der Wochenstuben liegen die Jagdreviere, in denen die Weibchen die
Insektennahrung (Falter, Schmetterlinge und Sonstige Insekten) finden.
Die Jungtiere werden nicht auf den Jagdflug genommen. Die Weibchen sind sehr
wohl in der Lage, im Notfall ihre Jungen durch die Luft zu transportieren.
Etwa Ende August lösen sich die Wochenstubengesellschaften auf.
Ab September bis in den Winter hinein dauert die Paarungszeit. Wobei die Männchen
den Partner oft wechseln. Schon im Herbst fliegen die Fledermäuse in ihre
Winterquartiere. Diese sind häufig Bergwerke Keller, Dachböden
oder Höhlen.
Ein für Fledermäuse geeignetes Winterquartier muss folgende Anforderungen erfüllen:
- Es sollte frostfrei sein
- eine hohe Luftfeuchte aufweisen
- es sollte störungsfrei sein
Großes Mausohr im WinterschlafFoto: W. Kunzmann |
Im Winterschlaf laufen alle Körperfunktionen auf Sparflamme.
Die Körpertemperatur
sinkt von 38°C auf 3-5°C. Die Atemfrequenz ist niedrig, der Herzschlag
verlangsamt sich, auch der Stoffwechsel wird auf ein Minimum gebracht.
Dies führt zu einem nur sehr geringen Energieverbrauch, was die Fledermaus
befähigt, bis zu 6 Monate von ihren Fettreserven zu leben. Der Winterschlaf
wird in der Regel mehrmals unterbrochen, um die Blase zu leeren
oder den Hangplatz zu wechseln. Hierbei wird die Körpertemperatur
auf 38°C erhöht. Dies dauert jedoch recht lange.
Bei Störungen jedoch erwacht die Fledermaus mit hohem Energieaufwand sehr schnell.
Ist dies oft der Fall, dann reichen die Fettreserven nicht aus, um im Frühjahr zu
erwachen und die Fledermaus stirbt.
Alle einheimischen Fledermäuse ernähren sich von Insekten. Die Beute wird
in der Regel im Flug ergriffen. Sie finden ihre Nahrung mit Hilfe der
Ultraschallortung, die bei dieser Tiergruppe zu höchster Perfektion
ausgebildet ist. Die Tiere stoßen hochfrequente Töne aus, die von Beutetieren
oder auch Hindernissen reflektiert werden. Diese Echos können vom Gehöhr der
Fledermäuse ausgewertet werden. Für menschliche Ohren sind die Geräusche
nicht hörbar.
Der Lebensraum der Fledermäuse ist dreigeteilt in Sommerquartier,
Winterquartier und Jagdbiotop. Je nach Art kann das Sommerquartier ein
Dachstuhl oder auch ein hohler Baum sein. Die Winterquartiere befinden sich
meist in Höhlen oder Bergwerke. Jagdbiotope sind Flächen in denen die
Fledermäuse ihre Nahrung finden.Reich strukturierte Landschaften mit
Hecken, Wälder und Gewässer sind ideale Räume für die jagenden Fledermäuse.
Fledermäuse stehen seit 1936 unter Naturschutz.
Folgende Arten konnten bis jetzt in den von der HGN betreuten Höhlen
festgestellt werden:
- Myotis myotis - (Großes Mausohr)
- Myotis bechsteini - (Bechsteinfledermaus)
- Myotis dasycneme - (Teichfledermaus)
- Myotis daubentoni - (Wasserfledermaus)
- Myotis brandti - (Große Bartfledermaus)
- Myotis mystacinus - (Kleine Bartfledermaus)
- Myotis nattereri - (Fransenfledermaus)
- Pipistrellus pipistrellus - (Zwergfledermaus)
- Pipistrellus nathusii - (Rauhhautfledermaus)
- Plecotus auritus - (Braunes Langohr)
- Babastella babastellus - (Mopsfledermaus)
Seit jeher hat die Höhlengruppe Nord e.V. auf eine Befahrung der
Höhlen im Winter verzichtet.
Eine Ausnahme bildet nur die Befahrung zur Bestandsschätzung durch
den Beauftragten für Fledermausschutz. Diese Befahrung erfolgt
in der Regel im Abstand von vier Jahren. Große Anstrengungen werden
zum Beispiel zum Schutz der Höhlen als Fledermausquartiere gemacht.
Stabile Verschlüsse wurden angebracht, und nur die Fledermäuse haben
noch ungehinderten Zutritt. Der fledermausgerechte Verschluss so vieler
Höhlen und damit die Sicherung der lebenswichtigen Winterquartiere allein
ist schon ein Erfolg. In der Zukunft wird sich zeigen, ob die Bestände
in den gesicherten Höhlen zunehmen werden.
- Langenfelder Höhle Großes Mausohr, Wasserfledermaus, Teichfledermaus
- Obere Höhle Großes Mausohr, Wasserfledermaus, Teichfledermaus
- Riesenberghöhle Wasserfledermaus, Fransenfledermaus, Teichfledermaus
- Schillathöhle Großes Mausohr
- Alte Höhle Großes Mausohr, Kleine Bartfledermaus, Bechsteinfledermaus, Braunes Langohr
- Salamanderhöhle Großes Mausohr, Große Bartfledermaus, Braunes Langohr, Rauhhautfledermaus
- Pionierhöhlen Braunes Langohr, Große Bartfledermaus
- Kupferkuhle Wasserfledermaus
- Silberloch 2 Bechsteinfledermaus, Zwergfledermaus
- Wilhelminahöhle Großes Mausohr, Wasserfledermaus
- Zwergenloch Großes Mausohr
- Mäumekenloch Großes Mausohr
- Fledermaushöhle Großes Mausohr, Braunes Langohr
- Brunsmeierhöhle Großes Mausohr, Bartfledermaus
Alle Nachweise sind nicht älter als 10 Jahre. Die Mopsfledermaus wurde von mir das letzte Mal 1989 in der Langenfelder Höhle nachgewiesen. Die Kleine Hufeisennase das letzte mal 1961 in der Langenfelder Höhle.
Rainer Marcek Höhlengruppe Nord
Süntel 25. 05. 2008
Literaturliste
- Blab, J. (1980):
- Grundlagen für ein Fledermaus-Hilfsprogramm - Themen der Zeit, Hrsg.:Einhard Bezzel, Kilda - Verlag,Greven.
- Gebhard, J. (1982):
- Unsere Fledermäuse. - Veröffentlichung aus dem Naturhist. Museum Basel,10.
- Gebhard, J. (1982):
- Unsere Fledermäuse. - Veröffentlichung aus dem Naturhist. Museum Basel,10.
- Kulzer, E. (1981):
- Winterschlaf. - Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde.Serie C,14.
- Marcek, R. (1996):
- Höhlen im Süntel und Wesergebirge - Hrsg. R.Fabisch / Naturhist. Gesellsch. Hannover.
- Richarz, K.
- Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen. - Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2004
copyright: HGNord.
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Winterruhe bis Ende April
Großes Mausohr im Winterschlaf